Kath. Pfarrei St. Matthias

Entstehung der Pfarrei

Baubeginn:

1. Juli 1964

Grundsteinlegung:

22. November 1964

Richtfest:

1. Juli 1965

Einweihung:

12. Dezember 1965

Bauherr:

Erzbischöfliches Bauamt

Architekt:

Alexander Freiherr von Branca

Statik:

Christoph Ostheimer

Bauleitung:

Ludwig Deimel - Remi Balleisen

Baufirma:

Sager und Woerner

Künstler und Bildhauer:

Johannes Kreuz

Blasi Gerg

Johannes Engelhardt

Manfred Bergmeister



In einer Urkunde des 13. Jahrhunderts wird die Erhebung des Ortes Forstenried - damals noch Forstarenrieth genannt - zu einer Pfarrei erwähnt.. Ein Gut Vorstarenried ist sogar schon um das 10. Jahrhundert bekannt. Es gehörte dem bedeutenden Kloster Polling bei Weilheim.



Was sich seit dem an "Geschichtlichem" in Fürstenried feststellen läßt, ist nicht viel. Kloster, Bürger und Adelige lösen sich als Besitzer der Ländereien ab. Kurfürst Max Emanuel baut 1716 das Schloß, dem auch eine Kapelle - dem Hl. Hubertus geweiht - zugehört. Neuzig Jahre später ziehen für zwei Jahrzehnte die Kinder der Forstenrieder Bauern täglich ins Schloß, wo ihnen ein Schulzimmer eingerichtet ist. An der Wende zum 20. Jahrhundert verbringt der unglückliche König Otto den letzten Teil seines Lebens hier in der ländlichen Einsamkeit. Zwischen den beiden Weltkriegen übernimmt die Erzdiözese das Schloß. Seit dieser Zeit werden hier Exerzitien abgehalten. Bis gegen Ende der fünfziger Jahre beherbergt das Schloß auch ein Spätberufenenseminar, das jetzt in Waldram bei Wolfratshausen untergebracht ist. Der Patron dieses Seminars - St. Matthias - ist nun auch der Schutzpatron der neuen Kirche geworden. Östlich und südlich des Schlosses, wo sich die Felder des inzwischen städtisch gewordenen Gutes erstrecken, wuchs in den letzten Jahren das riesige Wohngebiet Fürstenried. Wo zuvor Landarbeiter die weitläufigen Felder bestellten und wenige Ausflügler spazierten, braust nun lebhafter Verkehr über eine Autobahn. Fürstenried hat tausenden von Münchnern ein neues Zuhause gegeben. manchem Einwohner erstmals wieder nach dem Kriege und nach vielen behelfsmäßigen Unterkünften.

Am 1. April 1962 feierte die neugegründete Gemeinde St. Matthias von Fürstenried West zum ersten Male die Eucharistie in der Taborkirche des Schlosses. Im Herbst desselben Jahres konnte sie das Kirchenzelt, das inmitten der Siedlung errichtet worden war, einziehen. Und bei aller Freude über die neue Kirche ist doch manchem der Abschied von diesem Provisorum etwas nahegegangen. Mehr als einmal gaben Regen und Sturm, Blitz und Donner die Begleitmusik für den Gottesdienst ab.

Am 1. März 1964 wurde aus der jungen Seelsorgsgemeinde St. Matthias, die bis dahin zur Mittergemeinde Hl. Kreuz in Forstenried gehörte, eine selbständige Pfarrkuratie. Bald zählte sie über 5000 Personen, für die möglichst rasch eine größere Kirche und Räume für die Gemeindearbeit geschaffen werden mußten. So entstand in den jahren 1964 und 1965 ein neuzeitliches Pfarrzentrum mit Pfarrhaus, Gemeinderäumen und Kindergarten. Am 12. Dezember 1965 konnte die Gemeinde in das neue, nun steinerne Zelt Gottes einziehen.

Der Bau

Ein gutes Jahr nach der Grundsteinlegung konnte die Gemeinde von St. Matthias am 12. Dezember 1965 in die von Kardinal Döpfner geweihte Kirche einziehen. Den burgartig geschlossenen, fensterlosen Baukomplex aus dunklen Klinkerziegeln, der durch den nur 20 m hohen Tor- und Glockenturm betreten wird, hat Alexander Freiherr von Branca entworfn, weitüber München hinaus unter anderem als Architekt der Neuen Pinakothek bekannt.

Vom Ruhe ausstrahlenden Vorhof aus, der von den verschiedenen Gebäuden des Pfarrzentrums eingafaßt ist und auf dem ein Steinbrunnen (Gnadenquelle der Sieben Sakramente) von Johannes Engelhardt, Wemding, steht, gelangt man durch ein Bronzeportal von Manfred Bergmeister, Ebersberg, in die Kirche: In den quadratischen Bau ist eine (auch nach außen hin dominante) Rotunde eingestellt, die an frühchristliche Zentralbauten anknüpft; ihre 32 in unregelmäßigen Abständen angeordneten Betonrundpfeiler verdichten sich zru Altarinsel und zum Haupteingang hin und bewirken zusammen mit den dort jeweils angefügten (nach außen hin turmartigen) Rechtecknischen auch eine gewisse Längserstreckung des Raumes. Die Flachdecke (wie die Bänke und Beichtstühle aus rötlichem Afzeliaholz) ist durch ein schmales Lichtband am Ansatz angehoben. Der Altarstein von Johannes Kreuz, Herrsching, ist ganz das Zentrum der Kirche und der um ihn zum eucharistischen Mahl versammelten Gemeinde gerückt und vom Licht umflutet, das aus der Deckenöffnung im Schnittpunkt des von vier Betonträgern gebildeten Kreuzes einfällt. An der Nischenwand dahinter zieht das große durchbrochenwe Bronzekreuz mit biblischen Szenen zu den Hochfesten (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) von Roland Friederichsen, München, den Blick auf sich. An die Südwestecke des Hauptraums ist die quadratische Taufkapelle mit einem Taufstein aus Muschelkalk von Johannes Kreuz angebaut und diagonal gegenüber die Werktagskapelle durch einen Mauervorsprung mit dem Tabernakel von Blasius Gerg ausgeschieden. Die Orgel (22 Register, zwei Manuale) baute 1974 Wilhelm Stöberl, München.